Fouad Mourtada wollte eigentlich nur einen Witz machen, als er einen Facebook-Account für den marokkanischen Prinzen Moulay Rachid aufsetzte. Wie sich zeigte ein fataler Fehler. Denn am 22. Februar wurde Mourtada zu drei Jahren Haftverurteilt für sein Verbrechen - dem Einrichten eines Facebook-Accounts.
Am 5. Februar 2008 wurde Fouad Mourtada verhaftet, weil er ein falsches Facebook-Profil für den Bruder des marokkanischen Königs Mohammed VI., Kronprinz Moulay Rachid, aufgesetzt hatte. Als seine Familie eine Woche später die Erlaubnis bekam, ihn zu besuchen, berichtete er von diversen Schikanen, die er zu erleiden hatte. Nach den Berichten der Familie wurde Mourtada gefesselt, bespuckt, geschlagen - so lange, so häufig, bis er immer wieder das Bewusstsein verlor.
Sein Prozess war er für den 15. Februar angesetzt, dann auf den 22. verschoben. Da wurde Fouad Mourtada, obwohl er selbst sagt er habe das Facebook-Profil aus Verehrung für den Kronprinzen aufgesetzt, verurteilt. Zu drei Jahren Haft und einer Geldstrafe von 10.000 Dirhams, umgerechnet etwa 900 €. Die Reaktionen der Blogger schwankten zwischen Zorn und ungläubiger Überraschung. Nas, der Autor des bekannten jordanischen Blogs “The Black Iris”, hatte eigentlich damit gerechnet, dass Mourtada nach der Untersuchungshaft laufen gelassen würde, da er kein ernstes “Verbrechen” wie Bloggen über politische Angelegenheiten begangen hätte - umso wütender ist er nach dem Urteil:
“…es scheint, dass es in Marokko, genau wie in Jordanien, sehr sehr leicht ist die Würde des States zu verletzen. Stell dir vor: Drei Jahre deines Lebens einfach so weggenommen für ein solches ‘Verbrechen’.”
Währenddessen bittet “The Sudanese Thinker” seine Leser ihm zu sagen, dass
“…das nicht real ist.”
und verursacht damit eine kontroverse Diskussion. Der Kommentator dalu meint:
“Ich habe geLOLt
Nicht weil es witzig war.
Es ist nur… ihr wisst, die Absurdität des ganzen.”
und fasst damit die Gefühle vieler Blogger zu diesem Fall zusammen. Viele von ihnen, Facebook-User wie Fouad Mourtada, fühlen die Absurdität einer Gefängnisstrafe für nichts weiter als das Aufsetzen eines Profils bei Facebook, das nur wenige später wieder gelöscht wurde. Schon vor der Gerichtsverhandlung hatten viele marokkanische Blogger damit begonnen, den mit-Netzbürger Mourtada zu unterstützen. Sie starteten die Kampagnenseite “Help Free Fouad” und traten am 19. Februar in einen gemeinsamen 24-stündigen Streit. Desweiteren wurde eine Petition verfasst, die die Freilassung von Fouad Mourtada fordert und bereits von mehr als 5000 Menschen unterschrieben wurde. Momentan planen sie Demonstrationen in vielen europäischen und amerikanischen Städten, die morgen stattfinden sollen.
Natürlich gab es auch einen breiten Proteststurm auf Facebook selbst, wo einige Unterstützergruppen für Mourtada eröffnet wurden. Das Interessanteste dort ist allerdings eine Frage, die vom Gründer des Committee to Protect Bloggers, Curt Hopkins, gestellt wurde. Er fragte bei Facebook nach einem Statement zum Fall Fouad Mourtada an. Aber alles was Hopkins bekam war die Auskunft, das Facebook den Fall nicht kommentieren werde. Möglicherweise, weil das Social Network durchaus seine Finger bei der Aufdeckung von Fouad Mourtada im Spiel hatte. Denn wie dessen Identität den Behörden überhaupt klar wurde, ist bis heute nicht klar.
UPDATE:
Mit Berufung auf The Wall Street Journal berichtet das Committee to Protect Bloggers, dass Facebook jegliche Beteiligung an der Aufdeckung von Mourtadas Identität von sich weist. Gleichzeitig gab eine Sprecherin allerdings bekannt, dass man in Zukunft durchaus so handeln werde, wenn man sich gesetzlich dazu verpflichtet sehe.
Was kann ich tun?
Du kannst die Petition von “Help Free Fouad” unterschreiben. Außerdem kannst du einer der Unterstützer-Gruppen für Fouad Mourtada auf Facebook beitreten - hier oder hier.
Etwas handfester wird es auch einige Demonstrations zu Unterstützung des marokkanischen “Facebook-Opfers” geben. Am 1. März, 14 Uhr, werden sich die Demonstranten vor diversen marokkanischen Botschaften und Konsulaten treffen, und zwar in Paris, Montreal, London, Brüssel, Washington D.C., Amsterdam und Madrid.
Außerdem kannst du Curt Hopkins Aufruf folgen, ihn in seinen Bemühungen um ein Statement von Facebook zu unterstützen. Er bittet jeden, zusammen mit ihm eine “weniger gefühllose Nachricht von Facebook zu der Verhaftung” zu fordern.
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